DIE TRACHT – DIE MARKETENDERIN

 

DIE TRACHT

 
„Tracht“ kommt von „tragen“ und meint damit alles, was getragen wird: die Kleidung und die dazugehörige Aufmachung, wie sie von einer Gesellschaft vorgeschrieben wird.
Ursprünglich kennzeichnete die Tracht den sozialen Rang (=Standestracht), die Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe (=Berufstracht) oder einer Nationalität. Eine Tracht zu tragen ist Brauch, ist ein äußerliches Zeichen einer traditions- und heimatgebundenen Lebenshaltung. Die Tracht ist Ausdruck und Bekenntnis zu einer Gemeinschaft. Sie hat aus dem alten „Gwand“ entwickelt. Die Tracht ist also ein Signal, ein Symbol für die Stellung eines Menschen innerhalb einer Gemeinschaft. Die Tracht ist ein für Dauer bestimmtes Gewand. Wenn sie auch als Ganzes nicht billig kommt, ist ihre Anschaffung doch preiswert, da sie jahrelang sowohl zum praktischen Tragen als auch der Form nach ihren Wert behält. Außerdem kann sie nach und nach durch die Anschaffung einzelner Stücke ergänzt und bereichert werden.
Eine Tracht muss mit Stolz und Selbstbewusstsein getragen werden. Das signalisiert, dass der Mensch, der in dieser Tracht steckt, zu dem steht, was er denkt, sagt und nach außen hin zeigt.
 

BESTANDTEILE EINER TRACHT

 
Männertracht: Hauptteile sind die Kniehose, Hemd, Brustfleck, Hosenträger, Gurt (Ranzen), Rock, Strümpfe, Schuhe, Hut, Aufputz, Fürtuch.
Frauentracht: Mieder- oder Latztrachten, die aus Leibl, Mieder, Rock, Schürze, Hemd, Goller (Spitzenkragen) Flor und Jacke bestehen. Die Frauen tragen ebenfalls Kopfbedeckungen, Strümpfe, Schuhe, Unterarmstützeln
 

SCHÜTZEN ERHALTEN DIE TRACHT

 
Die Schützen und Musikkapellen gelten als die Erhalter der Trachten, welche von den Kompanien zur Verfügung gestellt werden. Für neue Ausstattungen wählt man meistens Votivbilder aus der Zeit Andreas Hofers. Früher wurden die Trachten mit viel Mühe selbst erzeugt. Heute beschäftigen sich spezielle Firmen mit deren Herstellung. Da es sich immer noch um Qualitätsprodukte und keine Massenware handelt, haben eben diese Kleidungsstücke noch ihren persönlichen Wert und Charakter. Die von Konsumdenken und raschen modischen Trends geprägte Welt fasst hier nicht Fuß.
 

WARUM FEDERN AM HUT?

 
Als vor langer Zeit das Volk von Tirol sich seine Freiheit wünschte und nach jahrhundertelanger Vorbereitung und hartem Kampf diese auch durchsetzte, nahm man den Adler als ungekrönten Herrscher der Lüfte und der Freiheit als Vorbild.
Die Adlerfeder auf dem Hut symbolisiert besonderen Mut und Draufgängertum.
Heute werden beinahe ausnahmslos nur noch Hahnenfedern verwendet. Diese werden importiert. Sehr schöne Hahnenfedern stammen aus Australien oder aus Japan.
Bei Aufmärschen erfolgt nach alter Tradition folgender Hutschmuck:
bei Begräbnissen: Tannenreis
bei Ehrenkompanien und Prozessionen: Eichenlaub
bei verschiedenen anderen Anlässen: Blumenschmuck, Nelken und Schützengras
Grundsätzlich sei jedoch angeführt, dass es keine Einheitlichkeit gibt, denn fast jede Kompanie hat ihre bestimmten Eigenheiten.

 

DIE MARKETENDERIN – ZIERDE DER SCHÜTZENKOMPANIEN

 

Als ausländische Truppen durch Tirol zogen, fiel der Bevölkerung das Marketenderwesen auf, den Schützen hatten es besonders die weiblichen Mitglieder des Trosses angetan.
So kam es, dass man, als beim stehenden Heer im 19. Jahrhundert die Marketenderinnen abgeschafft wurden, sie in den Kompanien einführte. Diesmal marschierten sie aber vorne mit, was eine deutliche Aufwertung heißen mag.
Noch heute werden „Schnapspanzelen“ mitgetragen und „Stamperlen“ ausgeschenkt, was auch an früher erinnert.
Zuerst gab es nur vereinzelt Marketenderinnen in den Kompanien, da man dieser Neuheit gegenüber Misstrauen empfand. Doch die „Zier der Kompanie“ setzte sich bald durch und erfüllte ihre Aufgaben, was sich als sehr positiv auswirkte.
Marketenderin zu werden galt und gilt als Ehre, als schöne repräsentative Aufgabe, die aber mit Verantwortung, Charakterfestigkeit und Tradition untrennbar verbunden ist.
Bei Ausrückungen zeigt auch die Marketenderin ihren Einsatz fürs Tiroler Schützenwesen, das Bekenntnis zu seinen Idealen.
Ihre heutige Aufgabe ist auch gar nicht so einfach. Nach der Ausrückung fungieren sie oft auch als Kellnerinnen, denn sie haben die Aufgabe, sich um das leibliche Wohl der Schützen zu kümmern.
Ihre Tätigkeit ist also anstrengender, denn während die Schützen gemütlich beisammensitzen, sind sie beim Laufen und Tragen sowie verkaufen Schnaps, was der Kompanie auch Geld einbringen sollte.